Wie alt ist Oelixdorf wirklich?

Lassen wir für einen Augenblick die erste urkundlich belegte Erwähnung außer Acht. Haben vor dem Jahr 1358 schon Menschen hier gelebt? Von Itzehoes Stadtgründung haben wir bereits gehört, und dass Itzehoe zuvor ein Dorf war, ist auch belegt. Woher aber stammen die in der Gemarkung gefundene Steinbeile, das Bronzebeil, eine Flintaxt, eine so genannte Quetschmühle oder die Urnen? Und was hat es mit den Hügelgräbern auf sich?

Die Jungsteinzeit datiert von 3000 bis 1600 vor Christus. Aus dieser Epoche haben Archäologen verschiedene Funde in Oelixdorf gemacht. Das bedeutet folglich, dass bere~s Menschen hier gelebt haben und wahrscheinlich sogar Ackerbau mit einfachen Geräten betrieben haben. Auf die zumindest zeitweise Besiedlung weisen ebenfalls die neun Grabhügel hin, die aus der jüngeren Steinzeit oder der Bronzezeit stammen.

Auf die Jungsteinzeit folgt die Bronzezeit von 1700 bis 500 vor Christus. Die Feuersteinbearbeitung erreicht zu Beginn dieses Zeitabschnitts ihren handwerklichen Höhepunkt, wird aber allmählich durch Werkzeuge und Geräte aus Bronze abgelöst. Da Kupfer und Zinn als Legierungsmaterialien bei uns nicht vorhanden sind, muss die Bronze eingeführt werden. Leider sind die Funde im Gehege "Überstör" sowie ein Bronzebeil am Fußsteig nach Kollmoor verloren gegangen. Bronzezeitliche Siedlungen sind bislang in Oelixdorf nicht entdeckt worden, hingegen mehrere Siedlungsstellen aus der Eisenzeit.

Die Eisenzeit setzt bei uns etwa um 500 vor Christus ein. Mehrere Urnenfunde in der Gemarkung stammen aller Wahrscheinlichkeit nach von Gräbern aus diesem Zeitabschnitt.

Wir können also davon ausgehen, dass Oelixdorf schon vor mehreren tausend Jahren besiedelt wurde, auch wenn uns naturgemäß schriftliche frühgeschichtliche Quellen nicht vorliegen.



FundsteIlen aus der jüngeren Steinzeit

(1) Trichterbecher aus gelblichbraunem Ton, Unterteil kräftig gebaucht und mit eng liegenden senkrechten Rillen verziert; gefunden beim Sandabfahren in der Gemeindesandgrube, vermutlich Flachgrab
(2) unregelmäßiger Flintsschaber aus blauem Feuerstein; auf dem Feld gefunden
(3) Anzahl von Flintabschlägen, darunter eine bearbeitete Klinge
(4) Flintbeil aus braunem Feuerstein, Breitseiten fast völlig geschliffen, Schneide abgebrochen und nicht erhalten, gefunden beim Kartoffelsammeln
(5) kleiner Flintdolch aus graublauem Feuerstein, Blatt kräftig gewölbt
- sehr sorgsam geschliffenes Feuersteinbeil aus hellgrauem gefleckten Flint, Schneide mit einer Schlifffacette
- Feuersteinbeil aus hellgrauem Flint, Breit- u. Schmalseiten fast vollständig geschliffen
(6) frühgeschichtliches Steinbeil, beim Eggen gefunden

Gräber der jüngeren Steinzeit

(1)
abgetragener Hügel, nur noch im Knick erhalten, auf den angrenzenden Äckern als helle schwache Kuppe erkennbar
(2) als schwache helle Verfärbung mit unscharfen Umrissen im Acker erkennbar, möglicherweise Grabhügel
(3) bis auf schwache Eingrabungsstelle unversehrt erhaltener Hügel
(4) abgetragener Grabhügel, nur noch im Knick schwach erkennbar, im Acker als helle Verfärbung erhalten
(5) bis auf eine schwache Eingrabungsstelle an der Seite unversehrt erhaltener Hügel
(6) als schwache Kuppe im Acker erkennbar
(7) Grabhügel mit zahlreichen alten Grabungsspuren, mit Gras, Ginster und kleinen Büschen bewachsen
(8)fast vollständig erhaltener Hügel mit flacher Mulde in der Mitte, mit Buchen bewachsen
(9) aus gelbem Sand bestehender Hügel, beim Kiesabtragen auch Förderung großer Steine

Funde aus der jüngeren Bronzezeit

(1) a) 2 Bronzehohlbeile, Schneide schwach ausladend
b) ovaler Bronzenierenring mit einer Verdickung in der Mitte
c) Bronzeschwertklinge mit fast trapezoider Heftplatte; 1880 gefunden unter einem Baum am Weg zur Oberförsterei, in den Besitz des Grafen zu Rantzau gelangt, später verloren gegangen
(2) Quetschmühle, Drehmahlstein, Findling mit schräger Arbeitsfläche; 1971 gefunden an der Kreuzung Chaussee-Unterstraße

Siedlung der Eisenzeit

(1)
5 Feuerstellen, z, T, aufgefüllt mit kohlehaltiger Erde, Holzkohlestücken, Tongefäßscherben, rot gebrannten Lehmbrocken und größeren Feldsteinen; gefunden auf der Koppel "Bornstücken"

Gräber der Eisenzeit und unbestimmter Zeit

(1)
Urnenfriedhof mit zahlreichen Urnen und verbrannten Knochen; am Rand des Parks des früheren Kurhauses
(2) mehrere Urnen; gefunden beim Kiesabbau

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