Wie haben die Menschen vor 650 Jahren in Oelixdorf gelebt?

Als der Adlige Volquard de Nübel am 2. Februar 1358 in einer Urkunde bekennt, dem Itzehoer Nicolas von Butle sechs Morgen Landes in I2ltlekesdorpe verkauft zu haben, wird er kaum an die Auswirkungen seines Handels gedacht haben. Die Ansiedlung wird nach unserer heutigen Kenntnis erstmals schriftlich erwähnt, aber der Name taucht fortan in veränderter Schreibweise immer wieder auf: Odelkestorpe, Odlikstorppe, Otlikesdorpe, Olickstorp, Olichstorpff. War es ein Adliger namens Odelig, der der Ansiedlung seinen Namen gab? Wir können es nur vermuten.

Bei der Ersterwähnung liegt die Gründung Itzehoes bereits 120 Jahre zurück. "Etzehoe" entwickelt sich zur Stadt der Kaufleute und Handwerker, braucht aber auch Hinterland zur Versorgung der eigenen Bevölkerung. Gefragt sind u. a. Holz sowie Fulter und Weideflächen für Kleinvieh und Zugtiere. Etzehoe versucht deshalb schon seit längerem, sein Stadtgebiet zu vergrößern.

Am Orts rand auf der Geest gibt es zum Teil bereits kleinere Bauernstellen, die in den Wäldern mit eingestreuten schmalen Äckern und Weiden liegen. Da die natürliche Vegetation auf der Geest aus Eichen und Buchen besteht, sind die Wälder für die Eichelmast von Schweinen willkommen. Auch die Störmarschen mit ihren Erlenbeständen sind trotz der Überschwemmungsgefahr als Weideland geschätzt.

Beim Erwerb, bei der Verteilung und bei der Vergrößerung des Grundbesitzes spielt zunehmend auch das 1256 gegründete Itzehoer Zisterzienser-Nonnenkloster St. Mariae eine Rolle. So schenkt z. B. 1369 der uns schon bekannte Nicolas Butle dem Kloster drei Hufen Land "im Felde von Itzehoe" als Mitgift für seine in das Kloster eingetretene Tochter.

Weitere Quellen belegen, dass sich in Ölixdorf nicht nur klösterlicher Besitz befindet, sondern die Bewohner auch noch 1526 Abgaben an das Nonnenkloster zu tätigen haben.

Kehren wir nach 0tlekesdorpe im Jahr 1358 zurück. Wie viele Menschen hier wohnen, ist unbekannt. Aber ihr Leben ist sicher nicht einfach, und entsprechend gering ist ihre Lebenserwartung. Männer erreichen ein Durchschniltsalter von 34 Jahren, Frauen werden nur 28 Jahre alt. Schuld daran sind die harte körperliche Arbeit, Entbehrungen und Krankheiten. Wir müssen uns das Leben wohl so vorstellen, wie es auf Holzschnitten und Zeichnungen aus jener Zeit in anderen Regionen dargestellt ist.







Die Feldarbeit ist mühselig, auch auf den sandigen Böden der Geest, auf denen vorwiegend Roggen und Dinkel angebaut wird. Langsam wird der alte Hakenpfiug, der den Boden nur aufritzt, jedoch nicht wendet, durch den von Pferden gezogenen Wendepfiug abgelöst. Voraussetzung ist eine Streifenflur, nachdem die Neusiedler den Wald gerodet haben und die Streifen an die Siedler verteilt haben. Die Flurstücke sind unregelmäßig über die Gemeinde verteilt.

Um die Erträge zu erhöhen, wird Dreifelderwirtschaft betrieben. Die Bauern bestellen ein Flurstück mit Sommergetreide, ein zweites mit Wintergetreide und lassen das dritte brach liegen, damit es sich erholt.

Als Düngemittel dienen Torf, Asche und Kalk. Zur Getreideernte werden Sicheln und Sensen verwendet. Anschließend müssen die Körner mit dem Dreschflegel vom Korn getrennt werden.

Zusätzlich fallen Arbeiten im Wald an. Die Bauern benötigen das Holz als Feuerholz und zum Häuserbau. Gleichzeitig dient der Wald in der Gemarkung - ähnlich wie die Heide - als Viehweide. Er unterliegt der gemeinschaftlichen Nutzung, aber die Jagd bleibt in der Regel dem Grundherrn vorbehalten. Allenfalls die Jagd auf Niederwild, z. B. auf Hasen, ist erlaubt.



Das Bauernhaus hat meist einen gestampften Fußboden aus Lehm. Die Wände bestehen wohl anfangs aus Flechtwerk, das mit Lehm bestrichen wird. Wegen der Nähe der Störmarschen dürfen wir vermuten, dass das Dach mit Reet gedeckt ist. Nicht selten haben die einfachen Katen gar keine Fenster. Das Dach ist weit heruntergezogen und umschließt einen kleinen Raum, in dem sich Menschen und Tiere aufhalten und wo auch kleinere Erntevorräte gelagert werden können.

In der Mitte befindet sich eine offene Feuerstelle, der Rauch zieht über das Dach ab. Das hat den Vorteil, dass Ungeziefer sich nicht breit machen kann. Da es noch keine Viehställe gibt, wird der größte Teil des Viehs vor dem Winter geschlachtet.

Fleisch ist sowieso nicht das Hauptnahrungsmittel. Am meisten werden Brot, Brei und Gemüse gegessen. Das Brot wird aus grob gemahlenem Getreide gebacken und ist dunkel. "Weißes" Brot aus Weizenmehl bleibt den reicheren Stadtbewohnern vorbehalten. Die Frauen bereiten aus Getreide auch Brei zu, der aber fad schmeckt, wenn er nicht mit Kräutern oder im günstigsten Fall mit Honig gewürzt wird.

Im Übrigen essen die Siedler viel Gemüse, das sie in ihren Gärten anbauen. Der Fischreichtum der Stör trägt auch dazu bei, dass ab und zu Fische auf dem Speiseplan stehen. Geschirr aus Metall oder Steingut ist höchst selten. Meistens isst man mit Holzlöffeln aus einer gemeinsamen Holzschüssel.

Die Bauern sind also Selbstversorger. Sie stellen auch ihre Kleidung aus grobem Tuch selbst her. Das ist Aufgabe der Frauen, die Wolle spinnen, Stoffe weben und die Kleidungstücke nähen. Die Frauen sieden auch Seife und gießen Kerzen.

Die Kinder werden schon früh zu gemeinsamen Arbeiten herangezogen. Sie müssen Holz sammeln, bei der Gartenarbeit helfen und das Vieh hüten. Wegen der schlechten Lebensbedingungen ist die Kindersterblichkeit hoch. Jedes zweite Kind stirbt in den ersten Lebensjahren.

Überhaupt droht immer wieder Armut. Bei einer Missernte geraten viele unter das Existenzminimum. Und gegen Seuchen wie die Pest oder Infektionskrankheiten gibt es kaum ausreichend Schutz.

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